Sie können Ihre KI-Sichtbarkeit in rund 30 Minuten selbst prüfen: mit einem Browser ohne Login, sechs bis zehn Fragen, wie Ihre Kunden sie stellen würden, und einer einfachen Tabelle für die Resultate. Diese Anleitung führt Sie in fünf Schritten durch den Schnelltest: Prompts formulieren, Testumgebung neutralisieren, jede Frage mehrfach durchspielen, Resultate dokumentieren und richtig interpretieren. Dazu erhalten Sie kopierbare Prompt-Vorlagen in vier Kategorien.
Der Test lohnt sich, weil die Anbieterauswahl zunehmend in KI-Antworten entsteht. Laut einer Comparis-Umfrage (Innofact, März 2026) haben 76,1 Prozent der erwachsenen Schweizer Bevölkerung schon Chatbots wie ChatGPT oder Gemini genutzt; ein Jahr zuvor waren es 62,4 Prozent. 41,6 Prozent derjenigen, die Chatbots kennen, nutzen sie für die Informationssuche bereits anstelle von Google oder Bing. Bei Carigiet GEO messen wir die KI-Sichtbarkeit von Schweizer KMU täglich mit derselben Methodik, die Sie in dieser Anleitung anwenden: neutrale Abfragen ohne Login, drei bis fünf Wiederholungen pro Frage, dokumentierte Resultate statt Einzeleindrücke. Die Disziplin dahinter heisst Generative Engine Optimization; was der Begriff umfasst, erklärt unser Beitrag Was ist Generative Engine Optimization (GEO)?
Kurz zusammengefasst:
- Testen Sie ausgeloggt oder im temporären Chat, damit Memory, Verlauf und Konto-Einstellungen das Resultat nicht verfälschen.
- Formulieren Sie sechs bis zehn ganze Käuferfragen in vier Kategorien: Empfehlungsfragen, Vergleichsfragen, Problemfragen und Kontrollfragen zur eigenen Firma.
- Stellen Sie jede Frage drei- bis fünfmal in einem frischen Chat und zählen Sie, wie oft Ihre Firma genannt wird.
- Unterscheiden Sie «genannt» von «empfohlen». Erst die Empfehlung bringt Anfragen.
- Ein Einzeltest ist eine Momentaufnahme. Belastbar ist erst ein Trend über Wochen.
Warum Sie Ihre KI-Sichtbarkeit testen sollten
Weil ein wachsender Teil Ihrer potenziellen Kunden die Anbietersuche direkt in einem KI-System beginnt. Die Studie «KMU Digital Pulse 2025» von localsearch und der Hochschule Luzern zeigt: 13 Prozent der Schweizer Bevölkerung starten die Suche nach einem KMU direkt mit KI-Tools wie ChatGPT oder Copilot (localsearch/HSLU, 2025). Knapp 20 Prozent haben in den letzten zwölf Monaten KI genutzt, um sich über KMU-Dienstleistungen zu informieren, und rund die Hälfte plant das für die Zukunft.

Dazu kommt: KI-Antworten haben wenig Platz. Akademische Untersuchungen zeigen eine Grössenordnung von rund fünf zitierten Quellen pro Antwort (Li und Sinnamon, 2024) beziehungsweise etwa zwei bis sechs empfohlene Produkte pro Antwort in einer Untersuchung zu Anlageempfehlungen, dort mit grosser Streuung je nach System und Anlageklasse (Zhi et al., 2025). Eine exakte, neutral belegte Zahl für allgemeine Anbieterfragen gibt es nicht; die Grössenordnung genügt aber für den entscheidenden Punkt: Sie sind drin oder Sie sind draussen. Dazwischen gibt es nichts.
Genannt oder empfohlen: Was ist der Unterschied?
Genannt heisst: Ihr Firmenname taucht in der Antwort auf, zum Beispiel in einer Aufzählung mehrerer Anbieter. Empfohlen heisst: Das System rät aktiv zu Ihnen, begründet die Wahl oder setzt Sie klar an die erste Stelle. Für Anfragen zählt die Empfehlung, nicht die blosse Nennung.

Diese Unterscheidung ist die Interpretations-Brille für den ganzen Test. Eine Firma, die regelmässig genannt, aber nie empfohlen wird, ist für die KI-Systeme zwar auffindbar, aber ohne klares Profil: Es fehlen Belege, für wen sie die passende Wahl ist. Notieren Sie deshalb bei jedem Durchlauf beides getrennt. In unserer täglichen Messung bei Carigiet GEO arbeiten wir mit einer Empfehlungsquote als Zielgrösse: 30 bis 40 Prozent sind für etablierte Firmen ein realistisch gutes Niveau, 100 Prozent erreicht niemand.
Schritt 1: Formulieren Sie Prompts als ganze Käuferfragen
Testen Sie mit vollständigen Fragen, nicht mit Keywords. Ihre Kunden tippen keine Suchbegriffe in ChatGPT, sie beschreiben eine Situation oder stellen eine Frage. Selbst banale Eingaben reichert das System an und fächert sie in mehrere Teilanfragen auf. Google dokumentiert diese Technik offiziell als «query fan-out»: KI-Antworten entstehen aus mehreren verwandten Suchanfragen über Unterthemen und Datenquellen hinweg (Google Search Central). Auch ChatGPT schreibt Ihre Frage bei der Websuche in eine oder mehrere gezielte Suchanfragen um (OpenAI-Dokumentation). Ein Keyword-Test misst darum an der Realität vorbei.
Für den Schnelltest reichen sechs bis zehn Prompts aus vier Kategorien. Ersetzen Sie die Platzhalter durch Ihre Branche, Ihre Region und Ihre Firma:
Anbieter- und Empfehlungsfragen (die Kernkategorie):
- «Welchen Treuhänder in der Region [Ort] können Sie einem KMU mit 20 Mitarbeitenden empfehlen?»
- «Ich suche einen IT-Dienstleister für eine Firma mit 30 Mitarbeitenden in der Deutschschweiz. Wer kommt infrage?»
Vergleichsfragen:
- «Welche Anbieter für [Leistung] in [Region] sind empfehlenswert, und worin unterscheiden sie sich?»
- «Was sind die Vor- und Nachteile der bekanntesten [Branche]-Anbieter für KMU in [Region]?»
Problem- und Situationsfragen (so fragen viele Kunden tatsächlich):
- «Unsere Buchhaltung kostet uns jeden Monat mehrere Tage. Wer kann uns das in der Region [Ort] abnehmen?»
- «Wir sind mit unserer IT-Betreuung unzufrieden und suchen einen zuverlässigen Partner in [Region]. Wie gehen wir vor, und welche Anbieter lohnen sich?»
Kontrollfragen zur eigenen Firma (Faktencheck):
- «Was wissen Sie über [Firmenname] in [Ort]?»
- «Welche Leistungen bietet [Firmenname] an, und für wen eignet sich das Unternehmen?»
Die Kontrollfragen prüfen nicht, ob Sie gefunden werden, sondern was die Systeme über Sie behaupten. Veraltete Adressen, falsche Leistungsbeschreibungen oder erfundene Details kosten Vertrauen, bevor ein Gespräch überhaupt stattfindet. Wie ein solcher Test für eine einzelne Branche konkret aussieht, zeigt unser Beitrag zur KI-Sichtbarkeit für Treuhänder.
Schritt 2: Neutralisieren Sie die Testumgebung
Testen Sie ausgeloggt oder in einem temporären Chat, und schalten Sie die Memory-Funktion aus. Sonst messen Sie nicht Ihre Sichtbarkeit, sondern Ihre eigene Chat-Vergangenheit.
Der Grund ist Personalisierung. ChatGPT speichert mit der Memory-Funktion Informationen über Sie und baut neue Unterhaltungen darauf auf; gespeicherte Erinnerungen verschwinden nicht, wenn Sie einen Chat löschen. Wer täglich nach der eigenen Firma fragt, bringt dem System bei, sie zu nennen, und erhält ein geschöntes Resultat. Temporäre Chats verwenden laut OpenAI-Dokumentation keine bestehenden Erinnerungen und legen keine neuen an; sie sind darum die einfachste neutrale Testumgebung. Auch Comparis rät Konsumenten ausdrücklich, für möglichst neutrale Ergebnisse den Verlauf zu löschen oder den Inkognito-Modus zu nutzen, weil ChatGPT und Co. Antworten noch stärker personalisieren als eine Google-Suche.
So gehen Sie vor:
- Nutzen Sie ein ausgeloggtes Browserfenster oder einen temporären Chat.
- Falls Sie eingeloggt testen: Schalten Sie die Memory-Funktion in den Einstellungen aus, ebenso hinterlegte persönliche Anweisungen im Profil.
- Jeder Testlauf gehört in einen frischen Chat. Fragen Sie nie mehrmals hintereinander im selben Chat nach Ihrer Firma.
Eine Einschränkung bleibt auch dann bestehen: ChatGPT leitet aus Ihrer IP-Adresse einen ungefähren Standort ab und kann die Anfrage entsprechend umschreiben, auch ohne Login. Ihr Test aus Zürich ist also regional gefärbt. Das ist kein Fehler Ihres Vorgehens, sondern eine Eigenschaft der Systeme; notieren Sie es einfach als Rahmenbedingung.

Schritt 3: Stellen Sie jede Frage drei- bis fünfmal
Ein einzelner Durchlauf pro Prompt sagt fast nichts aus. Dieselbe Frage kann beim nächsten Mal eine andere Antwort liefern: KI-Antworten entstehen statistisch, nicht deterministisch. Wie gross die Streuung ist, hat das Forschungslabor Thinking Machines gezeigt: Dieselbe Anfrage lieferte bei 1’000 Durchläufen 80 unterschiedliche Antworten, obwohl die Einstellungen identische Resultate hätten erzwingen sollen (Thinking Machines Lab, 2025).

Stellen Sie deshalb jeden Prompt drei- bis fünfmal, jedes Mal in einem frischen Chat, und zählen Sie:
- Nennungsquote: In wie vielen Durchläufen wird Ihre Firma genannt?
- Empfehlungsquote: In wie vielen Durchläufen wird sie aktiv empfohlen?
Auch professionelle Messungen arbeiten mit Wiederholungen und Quoten, nie mit Einzeltreffern. Wer einer einzelnen Abfrage glaubt, feiert einen Zufallstreffer oder erschrickt über einen Zufallsausfall.
Schritt 4: Dokumentieren Sie die Resultate
Halten Sie jeden Durchlauf sofort fest, sonst verschwimmen die Eindrücke. Eine einfache Tabelle genügt:
| Prompt | Durchlauf | Genannt? | Empfohlen? | Stattdessen genannte Anbieter | Auffälligkeiten und Falschaussagen |
|---|---|---|---|---|---|
| Empfehlungsfrage Treuhand [Ort] | 1 von 5 | Nein | Nein | Anbieter A, B, C | keine |
| Empfehlungsfrage Treuhand [Ort] | 2 von 5 | Ja | Nein | Anbieter A, B | Firma nur genannt, ohne Begründung |
| Kontrollfrage eigene Firma | 1 von 3 | Ja | entfällt | entfällt | veraltete Adresse genannt |
Notieren Sie zusätzlich, welche Quellen die Antworten zitieren: Verzeichnisse, Fachportale, Blogs, Medien. Diese Quellenliste ist später der wertvollste Teil Ihrer Dokumentation, denn sie zeigt, woher die Systeme ihr Bild über Ihre Branche beziehen. Wer in diesen Quellen nicht vorkommt, existiert in der Antwort nicht.
Schritt 5: Interpretieren Sie die Resultate richtig
Ihr Testergebnis sagt vor allem etwas über Ihre Quellenlage aus, nicht über die Qualität Ihrer Arbeit. So lesen Sie die typischen Befunde:
| Befund | Lesart | Sinnvoller nächster Schritt |
|---|---|---|
| In keinem Durchlauf genannt | Die Systeme finden zu wenige belastbare Quellen über Ihre Firma | Quellenlage prüfen: Verzeichniseinträge, konsistente Firmendaten, zitierfähige Inhalte |
| Vereinzelt genannt (etwa 1 von 5) | Sie sind an der Schwelle zur Sichtbarkeit, das Resultat ist noch instabil | Beobachten, ob sich die Quote über Wochen bewegt; Inhalte und Quellen gezielt ausbauen |
| Regelmässig genannt, selten empfohlen | Auffindbar, aber ohne klares Profil: unklar, für wen Sie die beste Wahl sind | Positionierung schärfen: Zielgruppe, Leistungen und Belege präzisieren |
| Falschaussagen bei Kontrollfragen | Die Systeme stützen sich auf veraltete oder falsche Quellen | Ursprungsquelle der Falschaussage finden und dort korrigieren |
Zwei Einordnungen gehören zu jeder seriösen Interpretation. Erstens: Es gibt kein festes Ranking, das Sie «erreichen» und dann behalten. Antworten werden bei jeder Anfrage neu erzeugt und schwanken statistisch; warum das so ist, erklärt unser Beitrag Ranking in ChatGPT: Gibt es das überhaupt? Zweitens: Ihr Schnelltest ist eine Momentaufnahme. Belastbar wird die Aussage erst, wenn Sie dieselben Fragen über Wochen wiederholen und einen Trend sehen. Genau deshalb messen wir bei Mandaten täglich und vergleichen wöchentlich, statt einer Einzelmessung zu vertrauen.

Was der Selbsttest nicht leisten kann
Der Schnelltest beantwortet die Frage «Wo stehe ich heute?». Vier Dinge kann er nicht:
- Neutralität ist nur angenähert. Auch ausgeloggt bleibt der Test über die IP-Adresse regional gefärbt, und drei bis fünf Wiederholungen geben eine grobe Stabilitätsindikation, keine statistische Sicherheit.
- Er zeigt keinen Trend. Ob Ihre Sichtbarkeit steigt oder fällt, sehen Sie erst mit wiederholten Messungen über Wochen.
- Er ist an das aktuelle Modell gebunden. KI-Anbieter tauschen ihre Modelle laufend aus; ein Resultat von heute kann nach einem Modellwechsel anders aussehen.
- Er liefert keine Ursachenanalyse und keine Korrektur. Der Test zeigt, dass eine Falschaussage existiert, aber nicht, aus welcher Quelle sie stammt und wie sie dort korrigiert wird.
Sichtbarkeit ist beeinflussbar, das ist inzwischen auch akademisch untersucht: Inhalte mit klaren Zahlen, Quellenangaben und Zitaten wurden in der Studie «GEO: Generative Engine Optimization» in generativen Antworten um 30 bis 40 Prozent sichtbarer (Aggarwal et al., KDD 2024). Der erste Schritt bleibt aber immer die Standortbestimmung. Wenn Sie die Prüfung lieber automatisiert und breiter angelegt haben möchten: Unsere kostenlose KI-Sichtbarkeitsanalyse prüft genau die Dimensionen dieses Selbsttests automatisch, mit GEO-Score, Shortlist-Sichtbarkeit, Faktentreue und direkt beantworteten Fragen. Der Report kommt per E-Mail, meistens innert 15 bis 30 Minuten.
Häufige Fragen zum KI-Sichtbarkeits-Schnelltest
Wie viele Prompts braucht ein aussagekräftiger Schnelltest?
Sechs bis zehn Prompts reichen für eine erste Standortbestimmung, wenn alle vier Kategorien vertreten sind. Zum Vergleich: In einer professionellen Messung arbeiten wir mit rund 50 Käuferfragen, die im Onboarding gemeinsam erarbeitet und laufend verfeinert werden.
Warum zeigt ChatGPT nicht jedem dasselbe Resultat?
Weil Antworten personalisiert und statistisch erzeugt werden. Memory, Chat-Verlauf und der aus der IP-Adresse abgeleitete Standort verändern das Resultat pro Person; dazu kommt, dass dieselbe Frage auch unter identischen Bedingungen unterschiedliche Antworten liefern kann. Deshalb testen Sie neutral und mit Wiederholungen.
Reicht ein einmaliger Test?
Als Standortbestimmung ja, als Entscheidungsgrundlage nein. Ein Einzeltest ist eine Momentaufnahme des aktuellen Modells zum aktuellen Zeitpunkt. Belastbar ist erst ein Trend: dieselben Fragen, über Wochen wiederholt, mit dokumentierten Quoten.
Was heisst es, wenn ich genannt, aber nicht empfohlen werde?
Sie sind für die Systeme auffindbar, aber Ihr Profil ist nicht scharf genug für eine aktive Empfehlung. Meist fehlen Belege dafür, für wen Sie die passende Wahl sind: präzise Leistungsbeschreibungen, konsistente Firmendaten und Drittquellen, die Ihre Spezialisierung bestätigen.
Muss ich alle KI-Systeme testen oder reicht ChatGPT?
Für den Schnelltest reicht ChatGPT als meistgenutztes System. Beachten Sie aber: Die Systeme sind sich untereinander uneinig; wer in ChatGPT genannt wird, kann in Gemini oder Perplexity fehlen. Wenn Sie 15 Minuten mehr investieren, prüfen Sie zwei bis drei Ihrer Kernfragen zusätzlich in Google AI Overviews und Perplexity.
Machen Sie die Standortbestimmung
Führen Sie den Schnelltest durch, und Sie wissen in 30 Minuten, ob ChatGPT Sie nennt, ob es Sie empfiehlt und was es über Sie behauptet. Wenn Sie danach den automatisierten Blick möchten: Die kostenlose KI-Sichtbarkeitsanalyse liefert Ihnen den Report bequem per E-Mail. Und wenn Sie die Resultate einordnen möchten, buchen Sie ein 15-Minuten-Erstgespräch: kein Verkaufsgespräch, keine Folien. Wir öffnen ChatGPT live, prüfen gemeinsam, wo Ihr Unternehmen heute auftaucht und welche Wettbewerber stattdessen genannt werden, und Sie verlassen das Gespräch mit zwei, drei umsetzbaren Hebeln. Keine Verpflichtung.



