WissenMessung
Wie entwickelt man Käufer-Prompts für die KI-Sichtbarkeitsmessung?
Käufer-Prompts entwickelt man aus der Wissensbasis des Unternehmens: Angebot, Zielkunden, Preislogik, Wettbewerber. Daraus entstehen 50 Fragen pro Leistungsbereich, die abbilden, was echte Käufer fragen: teils direkte Anbietersuchen, teils geschilderte Probleme. Das Set wird vom Kunden reviewt und bleibt danach stabil, damit Veränderungen über Wochen als Trend lesbar sind.
Was ist ein Käufer-Prompt?
Ein Käufer-Prompt ist die vollständige Frage, die ein potenzieller Kunde einem KI-System stellt, wenn er einen Anbieter sucht oder ein Problem gelöst haben will. Er unterscheidet sich vom klassischen Keyword in der Form: Aus «Treuhandbüro Zürich» wird etwa «Unser Verwaltungsrat will die Buchhaltung auslagern. Welches Treuhandbüro im Raum Zürich ist auf KMU spezialisiert?»
Dabei gibt es zwei Grundformen. Gute Prompts klingen nach Kunden, nicht nach Marketing.
Direktsuche
Fragt nach Anbietern einer Kategorie.
Problemschilderung
Beschreibt eine Geschäftssituation und fragt, wer hilft; nach dem Firmennamen fragt dabei niemand.
Würde ein Kunde solche Prompts überhaupt eintippen?
Oft nicht wörtlich, und die Messung funktioniert trotzdem. Moderne KI-Suche zerlegt banale Eingaben in präzisere Varianten: Der Nutzer schreibt «ich suche ein Treuhandbüro», das System reichert die Anfrage im Hintergrund mit Kontext an (Standort, Verlauf, gespeicherte Präferenzen) und erzeugt daraus eine Reihe konkreterer Suchanfragen. Der Fachbegriff dafür ist Fan-out.
Käufer-Prompts sind deshalb Arbeitshypothesen über diese Varianten, keine Wette auf einen exakten Wortlaut. Sie werden beim Onboarding aus der Wissensbasis des Unternehmens entwickelt, vom Kunden reviewt und danach laufend geschärft. Ein Prompt, der sich als unrealistisch erweist, wird ersetzt, wie ein falsches Keyword im SEO.
Woraus besteht ein gutes Prompt-Set?
Aus Mischung, nicht aus Masse. Zur Transparenz legen wir offen, wie das Set aufgebaut ist, mit dem wir die Sichtbarkeit von Carigiet GEO selbst messen:
| Baustein | Anteil im eigenen Set | Zweck |
|---|---|---|
| Kategorie-Prompts | rund ein Drittel | Grundsichtbarkeit in der eigenen Anbieterkategorie messen |
| Branchen-Prompts | 5 Zielbranchen mit je 5 Prompts | messen, ob man dort erscheint, wo definierte Zielkunden fragen |
| Szenario-Prompts | der Rest | konkrete Auslösemomente abbilden: Konkurrent wird empfohlen, Falschaussage entdeckt, Website-Relaunch, Kostenfrage |
| Framing-Mix, quer durch alles | 27 Direktsuchen, 23 Problemschilderungen | zeigen, ob die Empfehlung vom Frage-Stil abhängt |
Vier Beispiele aus diesem Set:
«Welche Schweizer Agentur ist auf GEO, also Generative Engine Optimization, spezialisiert?»
«Wir sind ein Treuhandbüro und werden von ChatGPT nie empfohlen, obwohl Mitbewerber erscheinen. Wer kann uns helfen?»
«Wir sind bei Google auf Platz 1, erscheinen aber nicht in den KI-Antworten. Welche Agentur kann helfen?»
«ChatGPT verbreitet falsche Angaben über unser Unternehmen. Wer hilft uns, das zu korrigieren?»
Der Umfang liegt bei 50 Prompts pro Leistungsbereich. Mehr Fragen machen die Messung nicht besser, wenn sie dieselbe Kaufsituation doppelt abfragen: 50 gut verteilte Prompts decken die relevanten Situationen ab und bleiben täglich messbar.
Woran erkennt man ein schlechtes Prompt-Set?
An vier Mustern:
Wunschdenken statt Käufersprache
Prompts voller interner Produktnamen und Fachjargon, den kein Kunde verwendet. Die Fragen müssen abbilden, was echte Käufer fragen, nicht, was intern gerne gefragt würde.
Nur Kategorie-Fragen
Ein Set, das ausschliesslich «Welche Anbieter für X gibt es?» variiert, misst einen Ausschnitt. Käufer schildern häufig Situationen, statt Kategorien zu benennen.
Doppelte Prompts
Fragen, die sich nur im Wortlaut unterscheiden, messen dieselbe Kaufsituation mehrfach und verzerren die Quote. Jeder Prompt braucht eine eigene Kaufsituation.
Ständige Änderungen
Wer das Set laufend umbaut, setzt jede Woche eine neue Baseline und sieht nie einen Trend.
Ein Prompt-Set ist ein Messinstrument. Man kalibriert es einmal sorgfältig, statt es wöchentlich neu zu erfinden.
Wie fliessen Käufer-Prompts in die Messung ein?
Jeder Prompt läuft täglich auf ChatGPT, Claude, Perplexity, Gemini, Copilot und Google AI Overviews, ohne Login und ohne Memory. Ausgewertet wird wöchentlich als Empfehlungsquote: der Anteil der Antworten, in denen das Unternehmen empfohlen wird, verglichen gegen dieselben Wettbewerber. Das vollständige Messprotokoll zeigt der Artikel Wie misst man KI-Sichtbarkeit verlässlich?
Das Prompt-Set ist die halbe Messmethodik: Die sauberste Messung nützt nichts, wenn die falschen Fragen gestellt werden.